Martha Stiftung
Die Martha Stiftung ist Mitglied im Diakonischen Werk Hamburg.
23.07.2022
50. Todestag von Hilde Wulff
Heute wollen wir einer ganz besonderen Frau gedenken: Hilde Wulff, die im Jahr 1935 aus Berlin kam und den Erlenbusch nach Hamburg-Volksdorf brachte. Heute ist ihr 50. Todestag. Deshalb möchten wir gerne innehalten und ihr außergewöhniches Lebenswerk in Erinnerung bringen. Hilde Wulff selbst übergab den Erlenbusch 1964 in die Obhut der Martha Stiftung, damit wir ihr Lebenswerk in ihrem Sinne weiterführen.

Biografie Hilde Wulff
7.1.1898- 23.7.1972
Jugendwohlfahrtspflegerin

Sie half während der Zeit des NS-Regimes bedrängten und gefährdeten Menschen.
Hilde Wulff erkrankte im Alter von 2 Jahren an Kinderlähmung und war dadurch zeitlebens körperbehindert. Sie engagierte sich im Rahmen ihrer Berufsausbildung im Selbsthilfebund der Körperbehinderten. Sie setzte sich zunächst in Düsseldorf und dann in Berlin insbesondere für eine ordentliche Schulbildung körperbehinderter Kinder ein. 1931 gründete sie in Berlin eine erste eigene Einrichtung für Kinder. Im Zuge der „Gleichschaltung“ des Selbsthilfebundes durch die Nationalsozialisten trat Hilde Wulff aus dem Bund aus und verlegte ihre Arbeit mit körperbehinderten Kindern 1935 nach Hamburg-Volksdorf. Hier half sie vielen Bedrängten und Gefährdeten. Ihr Volksdorfer Heim führte sie bis 1964 selbst und übergab es dann der Martha Stiftung, die ihre Lebensarbeit seitdem weiterführt.


Was das Lebenswerk von Hilde Wulff so besonders macht: eine Momentaufnahme aus dem Jahr 1944

1944. Die Nationalsozialisten in Deutschland sind seit elf Jahren an der Macht. Sie wollen auf allen Gebieten des Lebens das Recht des Stärkeren durchsetzen und unterscheiden deshalb zwischen in ihrem Sinne wertvollem und " lebensunwertem" Leben. Hilde Wulff dagegen kämpft dafür, das Leben aller Kinder lebenswert zu gestalten. Deshalb war sie 1935 von Berlin in den Erlenbusch gezogen. Hier - so hoffte sie- wäre es eher möglich, nicht aufzufallen und mit dem seit 1933 geltenden "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" nicht in Konflikt zu geraten.

Das war aber nicht immer leicht. 1944 passierte genau das, was Hilde Wulff fürchtete. Männer in Uniform fuhren vor die Klöppervilla, um sich die Erlenbuschkinder einmal genauer anzusehen, möglicherweise, um einige "abzuholen".

Hilde Wulff öffnete ihnen auch die Tür und bat sie freundlich in die Halle. Dass sie auf diesen Besuch vorbereitet gewesen sein muss, zeigen ihre Worte: " Treten Sie näher. Hier sehen Sie unsere Kinder; wir haben sie hierher gelegt, weil sie momentan alle an Scharlach erkrankt sind." Unverrichteter Dinge fuhren die Herren wieder ab. Das war nochmal gutgegangen.

Aber sie kamen wieder, und diesmal war Hilde Wulff nicht vorgewarnt. Deshalb hatte sie -ganz untypisch für diese mutige Frau - Angst. Und doch: Mit waagrecht erhobener Krücke stand sie auf der Schwelle der Villa und sagte mit fester Stimme: "Hier kommt keiner raus!" Ohne sich von der Stelle zu rühren, beauftragte sie nun die Köchin Millie, eine "gewisse Telefonnummer" anzurufen. Dann übergab sie den Hörer einem der Männer. Es folgte ein kurzes Gespräch und die Herren verließen das Gelände.

Hilde Wulff als junge Frau
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