Auf einen Kaffee in der STZ Nachsorge
Zum Auftakt von „Marthas S(ch)nackbar on Tour“ besucht Vorstand Christoph Seese die STZ Nachsorge für Frauen und Mütter mit Kindern in Hamburg-Lokstedt. Die Einrichtung bietet Frauen nach einer Suchttherapie einen suchtmittelfreien Schutzraum. Mütter können hier gemeinsam mit ihren Kindern wohnen und ihren nächsten Schritt in ein selbstständigeres Leben vorbereiten.
Im Gespräch mit der Teamleitung Anja Bluhm geht es darum, warum Nachsorge ein entscheidender Teil der Suchthilfe ist, wie professionelle Begleitung im Alltag aussieht und was das Team braucht, um Frauen und ihre Kinder verlässlich zu unterstützen.
Bilder und Videos zur Reportage
Einblicke in die STZ Nachsorge in Lokstedt: das Haus mit Garten, das Spielzimmer und die Gemeinschaftsküche – die Orte, an denen Frauen und ihre Kinder ihren Alltag neu aufbauen.
Der Besuch im Video
Worum es geht
Eine Suchttherapie ist ein wichtiger Schritt. Doch wie gelingt danach der Weg in ein selbstständiges Leben? Christoph Seese spricht mit Anja Bluhm über die Arbeit der STZ Nachsorge, die Herausforderungen für Mütter und die besondere Unterstützung ihrer Kinder.
Das Interview
Im Gespräch: Anja Bluhm erzählt von der Nachsorge für Frauen und Mütter mit Suchterkrankungen und der Unterstützung ihrer Kinder.Kurz gesagt
- Nach der Therapie: Selbstständigkeit stärken.
- Gemeinsam leben: Struktur und Halt finden.
- Kinder stärken: Gehört und unterstützt werden.
Christoph Seese: Wer kommt zu Ihnen in die STZ Nachsorge?
Anja Bluhm: Zu uns kommen Frauen und Mütter mit ihren Kindern, die eine Suchttherapie hinter sich haben. Der Weg führt meist über eine Entgiftung und eine anschließende stationäre Therapie – danach können die Frauen zu uns kommen, wenn sie das möchten. Unser Haus mit Garten liegt in einer ruhigen Wohngegend in Hamburg-Lokstedt und ist ein suchtmittelfreier Schutzraum für alle, die nach der Therapie weitere Unterstützung brauchen. Mütter wohnen hier gemeinsam mit ihren Kindern.
Christoph Seese: Warum ist Nachsorge ein wichtiger Teil der Suchthilfe?
Anja Bluhm: In der Therapie lernen die Frauen viel über ihre Suchterkrankung, über sich selbst und oft auch über ihre Kinder. Bei uns haben sie die Möglichkeit, das Gelernte zu festigen: sich weiter mit ihren Themen auseinanderzusetzen, herauszufinden, was ihre Kinder brauchen und wo ihre eigenen Bedürfnisse liegen. So werden sie selbstsicherer und stellen sich gut auf – mit dem Ziel, irgendwann selbstständig in eine eigene Wohnung zu ziehen.
„Nachsorge ist die Brücke zwischen Therapie und eigenständigem Leben.“
Christoph Seese: Wie sieht konkret der Alltag in der Nachsorge aus?
Anja Bluhm: Die Frauen und Kinder leben zusammen in Wohngemeinschaften hier im Haus. Jedes Kind hat ein eigenes Zimmer – das ist uns sehr wichtig, damit die Kinder ihren eigenen Platz haben. Vieles organisieren die Frauen selbst, etwa Frühstück und Abendbrot. Mittags essen alle gemeinsam, begleitet von einer Kollegin. Darüber hinaus gibt es einen Wochenplan mit festen Gruppen wie Rückfallprävention, Nachsorge- und Müttergruppe sowie Morgenrunden zu wechselnden Themen.
Christoph Seese: Wie sehen konkret die Räumlichkeiten der Nachsorge aus?
Anja Bluhm: Frauen und Kinder leben in familiärer Atmosphäre in sechs Wohngemeinschaften, jede und jeder im eigenen Zimmer. Dazu kommen ein großes Wohnzimmer, eine Gemeinschaftsküche, Gruppenräume und zwei Spielzimmer für die Kinder sowie ein Bewegungs-, Snoezel-, Kreativ- und PC-Raum. Und der Garten steht allen jederzeit offen.
Christoph Seese: Wer arbeitet bei Ihnen?
Anja Bluhm: Unser Team besteht aus Pädagoginnen, Sozialpädagoginnen und Erzieherinnen, unterstützt von einer Verwaltungs- und einer Hauswirtschaftskraft. Wir arbeiten eng zusammen und bringen Kompetenzen in Entspannungstechniken, Ernährungsberatung und Yoga mit, ebenso wie systemische Therapie, Familientherapie und Beratung. Als systemisch arbeitende Einrichtung können wir so vielfältig unterstützen und auf die ganz unterschiedlichen Lebenssituationen der Frauen und Kinder eingehen.
Christoph Seese: Wie ist der Zugang zur STZ Nachsorge für Frauen und Mütter mit Kindern, wer übernimmt die Kosten?
Anja Bluhm: Wir sind eine besondere Wohnform nach dem Bundesteilhabegesetz (BTHG): Die Betreuung der Frauen finanziert der Träger der Eingliederungshilfe, die der Kinder das Jugendamt, jeweils auf Antrag. Dabei helfen die Suchtfachklinik, die Einrichtung, in der man gerade betreut wird, oder eine STZ Beratungsstelle in Hummelsbüttel, Barmbek oder Harburg. Man kann uns aber auch direkt anrufen unter Tel. (040) 530 03 68-0.
Christoph Seese: Was wünschen Sie sich für Ihr Angebot der Nachsorge?
Anja Bluhm: Mein Herz hängt vor allem an den Kindern. Uns fällt oft auf, dass Kinder von suchtkranken Eltern erst spät gesehen werden – vorher hatten sie kaum Raum, von ihren Belastungen zu erzählen. Das ist für mich eine große Besonderheit der Nachsorge: Hier bekommen die Kinder die Chance, über das Erlebte zu sprechen, und erfahren Unterstützung von uns und den Kolleginnen.
STZ Nachsorge für Frauen und Mütter mit Kindern
Ein suchtmittelfreier Schutzraum für Frauen nach einer Suchttherapie. Mütter wohnen hier gemeinsam mit ihren Kindern und bereiten ihren Weg in ein selbstständigeres Leben vor. Die Nachsorge gehört zum SuchtTherapieZentrum Hamburg (STZ) der Martha Stiftung.